Augen auf beim Hundekauf: Qualzuchten wie Dackel, Mops, Französische Bulldogge & Co
- Martina Thielking-Rumpeltin
- 7. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Was Qualzucht für Hund und Halter bedeutet
Wer sich einen Hund anschaffen möchte, denkt oft an Rassehunde: Französische Bulldoggen mit großem Kopf und Kulleraugen, der niedliche Mops, der entzückende Cavalier King Charles Spaniel oder der treue Dackel mit seinen kurzen Beinchen. Doch viele dieser Rassen tragen schwer an dem, was ihnen Menschen über Jahre „angezüchtet“ haben – buchstäblich. Denn viele Hunderassen gelten heute als Qualzuchten. Was das bedeutet und welche Folgen das für Tier und Mensch haben kann, erklären wir hier.
Was bedeutet Qualzucht?
Als Qualzucht bezeichnet man die Zucht von Tieren mit angeborenen Merkmalen, die Schmerzen, Leiden oder Einschränkungen mit sich bringen. Oft sieht das Ergebnis süß oder besonders aus – aber hinter dem äußeren Erscheinungsbild verbergen sich gravierende Gesundheitsprobleme. In Deutschland ist das laut Tierschutzgesetz (§11b TierSchG) verboten. Trotzdem werden viele betroffene Rassen weiterhin gezüchtet und verkauft – zum Teil mit Papieren, oft aber auch über dubiose Kanäle.
Typische Merkmale der Qualzucht und was sie für den Hund bedeuten
1. Kurze Schnauze (Brachycephalie)
Typische Rassen: Mops, Französische Bulldogge, Englische Bulldogge, Shih Tzu, Pekinese, Boston Terrier, Boxer (teilweise)
Was das bedeutet: Diese Hunde haben eine extrem verkürzte Nase und ein flaches Gesicht. Das macht ihnen das Atmen schwer. Die Tiere schnaufen, schnarchen, kollabieren bei Hitze und bekommen Panik beim Atmen. Viele müssen operiert werden, um überhaupt genug Luft zu bekommen. Die sogenannte BOAS-Erkrankung (Brachyzephales obstruktives Atemwegssyndrom) betrifft viele dieser Hunde – mit teils lebenslanger Einschränkung.
Folgen für den Halter: Häufige Tierarztbesuche, Operationen (z. B. Gaumensegel, Nasenöffnung), erhöhte Hitzesensibilität, eingeschränkte Bewegung.
Finanzielle Belastung: mehrere hundert bis tausende Euro – oft schon im ersten Lebensjahr.

2. Stummelrute (Brachyurie)
Typische Rassen: Französische Bulldogge, Englische Bulldogge, Boston Terrier, Australian
Shepherd (teilweise), Corgi (teilweise)
Was das bedeutet: Einige Hunde werden mit extrem verkürzter oder fehlender Rute geboren. Was süß aussieht, ist oft das Ergebnis einer genetischen Mutation. Diese kann gleichzeitig mit Fehlbildungen an der Wirbelsäule auftreten – sogenannten Keilwirbeln oder Hemivertebrae.
Folgen für den Hund: Probleme beim Laufen, Schmerzen, Lähmungen, eingeschränkte Kommunikation (Rute = Körpersprache).
Folgen für den Halter: Röntgenuntersuchungen, Schmerztherapie, Physiotherapie oder sogar Rückenoperationen.

3. Kurze, krumme Beine (Chondrodysplasie)

Typische Rassen: Dackel, Basset Hound, Corgi, Französische Bulldogge
Was das bedeutet:Diese Hunde haben extrem kurze Beine und oft einen langen Rücken. Die Knochen wachsen nicht normal. Das erhöht das Risiko für Bandscheibenvorfälle (IVDD), Schmerzen beim Laufen und Rückenprobleme.
Folgen für den Halter: Plötzliche Lähmungserscheinungen, Not-OPs, intensive Pflege, eingeschränkte Mobilität des Hundes.
4. Übermäßige Hautfalten
Typische Rassen: Shar Pei, Englische Bulldogge, Mops, Bloodhound
Was das bedeutet: Tiefe Hautfalten sehen auffällig aus, bergen aber viele Risiken: Dort sammeln sich Bakterien, es kommt zu Entzündungen, Ekzemen und Pilzbefall. Bei Augenfalten kann das Fell auf den Augapfel reiben – schmerzhaft und blindheitsfördernd.
Folgen für den Halter: Regelmäßige Reinigung der Falten, evtl. chirurgische Korrekturen (z. B. Lidstraffung), ständige Entzündungsbehandlung.
5. Zu langes, dichtes Fell
Typische Rassen: Malteser, Lhasa Apso, Tibet Terrier, Yorkshire Terrier (Showlinien)
Was das bedeutet: Fell, das über die Augen hängt, verhindert die Sicht. Feuchtigkeit, Schmutz und Haarfilz führen zu Augenreizungen und Infektionen. Einige Tiere können kaum noch selbst urinieren, da das Fell den Genitalbereich verdeckt und verfilzt.
Folgen für den Halter: Häufiges Trimmen, tägliches Kämmen, Reinigung nach jedem Spaziergang, Tierarztbesuche wegen Hautproblemen.
6. Hängeohren & zu lange Ohren
Typische Rassen: Basset Hound, Cocker Spaniel, Bloodhound
Was das bedeutet: Lange, hängende Ohren belüften den Gehörgang schlecht. Dadurch entsteht ein feuchtwarmes Milieu – ideal für Bakterien und Pilze.
Folgen für den Halter: Wiederkehrende Ohrenentzündungen, Juckreiz, Schmerz – oft nur durch regelmäßige Reinigung und medikamentöse Behandlung zu kontrollieren.
Warum ist das für Halter wichtig?
Ein Hund mit Qualzuchtmerkmalen kann ein Leben lang krank sein. Was wie eine einmalige Anschaffung wirkt, kann schnell zur finanziellen Dauerbelastung werden:
Kostenpunkt | Durchschnitt pro Jahr |
Tierarztbesuche (Routine + Komplikationen) | 500–1500 € |
Medikamente / Spezialfutter | 300–1000 € |
Operationen (z. B. Atemweg, Wirbelsäule) | 1500–4000 € |
Pflege (Trimmen, Reinigen) | 300–800 € |
Und das Wichtigste: Der Hund leidet. Viele betroffene Tiere sind in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt – körperlich und psychisch.
Was kann ich tun?
Informieren Sie sich vor dem Kauf: Nicht jeder Züchter ist vertrauenswürdig. Fragen Sie gezielt nach Gesundheitsnachweisen, Zuchtzielen und Untersuchungen (z. B. BOAS-Test).
Verzichten Sie auf extreme Merkmale: Je extremer die Optik, desto höher meist das Risiko für Qualzucht.
Nutzen Sie neutrale Quellen:
Fazit
Süß ist längst kein Synonym für gesund. Wer einem Hund ein gutes Leben bieten will, sollte bei der Auswahl nicht nach Optik gehen, sondern nach Gesundheit. Qualzuchtmerkmale schaden dem Tier – und belasten auch den Menschen. Verantwortung beginnt beim Kauf.
Quellen (Stand: Dezember 2025)
TVT Merkblatt Nr. 141: Qualzucht beim Hund
DocCheck Flexikon
Qualzucht-Datenbank (qualzucht-datenbank.eu)
VDH Rasseleitfäden
AniCura Fachportal



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