CDA beim Labrador: Symptome, Diagnose und Behandlung
Ein silberner Labrador verliert Fell. Die Haut wird sichtbar, das Haar bricht, Entzündungen kehren immer wieder. Schnell fällt der Begriff CDA. Doch was bedeutet das eigentlich?
Color Dilution Alopecia, kurz CDA, ist eine erblich bedingte Erkrankung der Haut und Haare. Sie tritt im Zusammenhang mit verdünnten Fellfarben auf und wird deshalb besonders bei Hunden diskutiert, die als Silver, Charcoal oder Champagne gezüchtet werden. Wichtig ist dabei eine Unterscheidung: Nicht jeder Dilute-Hund erkrankt an CDA. Und ein Gentest auf Farbverdünnung ist kein CDA-Test.
Was ist Color Dilution Alopecia?
CDA steht für Color Dilution Alopecia. Im Deutschen wird die Erkrankung auch Farbmutantenalopezie genannt.
Bei betroffenen Hunden funktioniert die Einlagerung und Verteilung des Pigments im Haar nicht normal. LABOKLIN beschreibt dabei Verklumpungen von Melanin sowie Veränderungen der Haarstruktur. Das Haar wird instabil und kann leichter brechen.
Die Erkrankung betrifft vor allem Hunde mit genetisch verdünnter Fellfarbe.
Beim Labrador werden solche Farben beispielsweise als:
Silver,
Charcoal oder
Champagne
bezeichnet.
Die Farbverdünnung selbst entsteht durch Varianten am sogenannten D-Lokus. Dabei spielt das MLPH-Gen eine zentrale Rolle. Die entsprechenden Varianten werden rezessiv vererbt.
Welche Symptome zeigt CDA beim Labrador?
Die ersten Veränderungen können bereits bei jungen Hunden auftreten.
LABOKLIN beschreibt als frühe Hinweise unter anderem dünner behaarte Ohren und Ruten sowie schütteres Fell. Häufig entwickelt sich der Haarverlust zwischen dem dritten und zwölften Lebensmonat. Doch können betroffene Hunde auch später erkranken.
Typische Symptome sind:
zunehmend dünnes Fell,
Haarbruch,
kahle oder deutlich ausgedünnte Bereiche,
fortschreitender Haarverlust,
Hautveränderungen,
wiederkehrende bakterielle Hautentzündungen,
Entzündungen der Haarfollikel und
teilweise Juckreiz.
Besonders problematisch sind die sekundären Hauterkrankungen. CDA betrifft also nicht nur das Aussehen des Hundes. Betroffene Tiere können wiederholt dermatologisch behandelt werden müssen. LABOKLIN beschreibt bei betroffenen Hunden teilweise lebenslang wiederkehrende Hautprobleme.
Ist CDA nur ein kosmetisches Problem?
Nein.
Ein Hund mit etwas dünnerem Fell wäre allein dadurch noch nicht schwer erkrankt. Bei CDA können jedoch weitere Hautprobleme hinzukommen.
Durch die gestörte Haarstruktur brechen Haare leichter. Gleichzeitig können bakterielle Sekundärinfektionen entstehen. LABOKLIN nennt beispielsweise Follikulitis und Furunkulose. Der Labrador Club Deutschland beschreibt CDA bei betroffenen Labradoren zudem mit starkem Juckreiz und Haarverlust.
Damit kann aus einer genetisch bedingten Farbvariante ein dauerhaftes gesundheitliches Problem für den Hund werden.
Ist jeder Silver Labrador von CDA betroffen?
Nein.
Das ist einer der wichtigsten Punkte beim Thema CDA.
Nicht jeder Hund mit verdünnter Fellfarbe entwickelt die Erkrankung. LABOKLIN weist ausdrücklich darauf hin, dass offenbar rasse- und linienabhängige Unterschiede bestehen. So gibt es Rassen mit Dilute-Farben, bei denen CDA offenbar erheblich seltener vorkommt.
Deshalb gilt:
Dilute bedeutet nicht automatisch CDA.
Umgekehrt bedeutet ein momentan gesund aussehender Dilute-Hund aber auch nicht automatisch, dass er später nicht erkrankt
.
Kann man CDA mit einem Gentest feststellen?
Nein.
Genau hier entstehen häufig Missverständnisse.
Ein Gentest am D-Lokus kann Varianten feststellen, die für die Farbverdünnung verantwortlich sind. LABOKLIN nennt derzeit unter anderem d1, d2 und d3.
Ein solcher Test beantwortet also beispielsweise die Frage: Trägt der Hund genetische Varianten für Dilution?
Er beantwortet nicht: Wird dieser Hund an CDA erkranken?
Nach Angaben von LABOKLIN ist derzeit kein genetischer Faktor bekannt, der zuverlässig zwischen einem Dilute-Hund mit und einem Dilute-Hund ohne CDA unterscheidet. Einen Gentest, der CDA sicher vorhersagt, gibt es daher derzeit nicht.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Wie wird CDA diagnostiziert?
Die Diagnose stützt sich nicht auf einen einzelnen Farbtest.
LABOKLIN beschreibt eine Kombination aus:
klinischem Erscheinungsbild,
gegebenenfalls Haarmikroskopie beziehungsweise Trichogramm und
histopathologischer Untersuchung.
Bei der Haaruntersuchung können typische Pigmentverklumpungen und Schäden an der Haarstruktur auffallen. Die definitive Diagnose kann histopathologisch anhand einer Hautbiopsie gestellt werden.
Das bedeutet praktisch:
Ein Hund hat die passende Fellfarbe und verliert Haare. Das begründet einen Verdacht. Die Diagnose folgt aber erst nach einer dermatologischen Abklärung.
Warum muss man andere Ursachen ausschließen?
Haarausfall beim Hund hat viele mögliche Ursachen.
LABOKLIN nennt neben genetisch bedingten Haarerkrankungen beispielsweise hormonelle Erkrankungen, Veränderungen des Haarzyklus, entzündliche Hauterkrankungen und weitere Formen der Alopezie.
Deshalb wäre es falsch, bei jedem silberfarbenen Labrador mit Fellproblemen automatisch CDA anzunehmen.
Tierärztlich muss geprüft werden, ob eine andere Ursache die Veränderungen erklärt.
Dazu können je nach Befund etwa Blutuntersuchungen, endokrinologische Tests, Hautuntersuchungen oder Biopsien gehören.
Ist CDA heilbar?
Nein.
Nach heutigem Kenntnisstand gibt es keine Heilung.
LABOKLIN beschreibt die Therapie deshalb als symptomatisch. Sekundärinfektionen müssen behandelt werden. Hochwertige Fettsäuren können das Erscheinungsbild des Fells verbessern. Melatonin kann in einzelnen Fällen das Haarwachstum anregen, wirkt aber nicht dauerhaft und muss wegen möglicher Risiken tierärztlich abgewogen werden.
Auch der Labrador Club Deutschland bezeichnet CDA als nicht heilbar und lediglich symptomatisch behandelbar. Die Behandlung richtet sich deshalb danach, welche Beschwerden der einzelne Hund entwickelt.
Wie sieht die Behandlung aus?
Eine einheitliche Standardtherapie, die CDA beseitigt, gibt es nicht.
Im Vordergrund steht die Behandlung der Folgen.
Dazu gehören insbesondere:
Behandlung bakterieller Hautinfektionen,
Kontrolle von Entzündungen,
dermatologische Betreuung,
Unterstützung der Haut- und Fellgesundheit und
gegebenenfalls weitere symptomatische Maßnahmen.
Welche Behandlung notwendig ist, hängt vom einzelnen Hund ab.
Gerade wiederkehrende Hautinfektionen sollten tierärztlich behandelt werden. Eine eigenständige Gabe von Medikamenten oder Melatonin ist nicht sinnvoll. LABOKLIN weist ausdrücklich auf eine notwendige Risikoabwägung bei Melatonin hin.
Wie ist die Prognose für einen Hund mit CDA?
CDA ist in der Regel keine unmittelbar lebensbedrohliche Erkrankung.
Sie kann den Hund jedoch dauerhaft begleiten.
Das Problem liegt vor allem im fortschreitenden Haarverlust und in wiederkehrenden Hauterkrankungen. Manche Tiere benötigen deshalb immer wieder tierärztliche Behandlung.
Wie stark ein einzelner Hund betroffen ist, kann unterschiedlich sein.
Deshalb ist auch hier Vorsicht mit pauschalen Aussagen geboten: CDA kann sehr unterschiedlich verlaufen.

Dürfen Hunde mit CDA zur Zucht eingesetzt werden?
Aus veterinärmedizinischer Sicht spricht LABOKLIN eine klare Empfehlung aus: Hunde mit CDA sollten generell nicht zur Zucht eingesetzt werden.
Daneben stellt sich die tierschutzrechtliche Frage. § 11b Tierschutzgesetz verbietet Zucht unter anderem dann, wenn aufgrund züchterischer Erkenntnisse zu erwarten ist, dass bei Nachkommen erblich bedingt Veränderungen entstehen, die Schmerzen, Leiden oder Schäden verursachen.
Es geht also nicht darum, eine ungewöhnliche Fellfarbe zu verbieten.
Entscheidend ist das gesundheitliche Risiko für die Nachkommen.
„Mehr dazu: Qualzucht beim Hund – wann greift § 11b Tierschutzgesetz?“
CDA und Silber-Labrador: Warum die Zucht diskutiert wird
Beim Labrador kommt ein weiterer Punkt hinzu.
Die klassischen Labradorfarben sind nicht Dilute-Farben. Der Labrador Club Deutschland vertritt deshalb die Auffassung, dass eine Verbreitung des rezessiven d-Gens in der Labradorpopulation aus gesundheitlichen Gründen verhindert werden sollte.
Die Diskussion über Silver, Charcoal und Champagne dreht sich daher nicht nur um Geschmack oder Rassestandards.
Sie betrifft die Frage, ob eine bestimmte Fellfarbe gezielt vermehrt sollten, wenn damit ein Risiko für eine unheilbare Hauterkrankung verbunden sein kann.
Der Fall Lindenhof zeigt, warum die Unterscheidung wichtig ist
Wie wichtig die Trennung zwischen Dilute-Gen und CDA-Diagnose ist, zeigt der Fall der Labradorzucht Vom Lindenhof.
Dort spielte unter anderem eine silberfarbene Hündin eine Rolle, bei der ein Dilute-Genotyp festgestellt worden war. Das bedeutete für sich genommen keine CDA-Diagnose. Im Behördenverfahren ging es jedoch nicht nur um diesen Gentest, sondern auch um klinische Haut- und Fellveränderungen bei mehreren Hunden sowie die daraus abgeleitete züchterische Risikobewertung.
So lassen sich zwei Aussagen gleichzeitig festhalten:
Ein Dilute-Gentest beweist keine CDA.
Ein fehlender CDA-Gentest beweist aber auch nicht, dass für die Nachzucht kein Risiko besteht.
Was sollten Halter eines Silver Labradors tun?
Ein silberner Labrador muss nicht krank sein.
Wer jedoch zunehmenden Haarbruch, kahle Stellen, ungewöhnlich dünnes Fell oder wiederkehrende Hautentzündungen bemerkt, sollte den Hund dermatologisch untersuchen lassen. Besonders wichtig ist, dem Tierarzt die Farbgenetik und bekannte Erkrankungen in der Zuchtlinie mitzuteilen.
Nicht sinnvoll wäre dagegen, allein aufgrund der Fellfarbe selbst eine CDA-Diagnose zu stellen. Diese gehört in tierärztliche Hände.
FAQ
Was bedeutet CDA beim Labrador?
CDA steht für Color Dilution Alopecia. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Haar- und Hauterkrankung, die mit verdünnten Fellfarben verbunden sein kann.
Welche Symptome verursacht CDA?
Typisch sind schütteres Fell, Haarbruch, fortschreitender Haarverlust und wiederkehrende Hautinfektionen.
Ist CDA beim Hund heilbar?
Nein. Die Erkrankung ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht heilbar. Behandelt werden ihre Symptome und Folgeprobleme.
Gibt es einen CDA-Gentest?
Nein. D-Lokus-Tests weisen genetische Varianten der Farbverdünnung nach. Sie können derzeit nicht zuverlässig vorhersagen, ob ein Dilute-Hund CDA entwickeln wird.
Ist d/d dasselbe wie CDA?
Nein. d/d beschreibt eine genetische Konstellation der Farbverdünnung. Nicht jeder entsprechende Hund entwickelt CDA.
Wie diagnostiziert der Tierarzt CDA?
Klinisches Erscheinungsbild und Haaruntersuchungen können Hinweise geben. Eine definitive Diagnose kann durch die histopathologische Untersuchung einer Hautbiopsie gestellt werden.
Darf ein Hund mit CDA zur Zucht eingesetzt werden?
LABOKLIN empfiehlt, CDA-betroffene Hunde grundsätzlich nicht zur Zucht einzusetzen. Zusätzlich können tierschutzrechtliche Grenzen nach § 11b TierSchG greifen.




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