top of page

Silber-Labrador: Was hinter Farbe, Genetik und Gesundheitsrisiken steckt

1. Okt.
5 Min. Lesezeit

Silberne Labradore fallen auf. Ihr Fell schimmert grau, andere Tiere werden als Charcoal oder Champagne angeboten. Was für Käufer zunächst wie eine ungewöhnliche Farbvariante des Labrador Retrievers aussieht, hat einen genetischen Hintergrund – und dieser ist nicht nur für die Fellfarbe von Bedeutung.


Denn die sogenannten Dilute-Farben stehen beim Labrador seit Jahren in der Kritik. Es geht dabei nicht darum, ob jemand Silber schöner findet als Schwarz oder Braun. Entscheidend ist die Frage, ob mit der Farbverdünnung gesundheitliche Risiken verbunden sind.


Welche Farben hat ein Labrador Retriever?


Der internationale Rassestandard der Fédération Cynologique Internationale (FCI) kennt beim Labrador Retriever drei Farben: Schwarz, Gelb und Leber- beziehungsweise Schokoladenbraun. Silber, Charcoal und Champagne gehören nicht zu den anerkannten Farben des Rassestandards. Labrador Club Deutschland e.V.


Veterinärmedizinische Fachquellen bezeichnen solche vom Standard abweichenden Farbschläge bei FCI-assoziierten Zuchtverbänden in der Regel als Fehlfarben. Beim Labrador nennt LABOKLIN ausdrücklich Silver und Charcoal als Beispiele für Farbverdünnungen.


Wichtig ist die Unterscheidung: Eine nicht standardgerechte Farbe ist zunächst eine Frage der Zuchtstandards. Das gesundheitliche Problem entsteht nicht allein dadurch, dass ein Hund anders aussieht.


Was bedeutet „Dilute“ beim Labrador?


„Dilute“ bedeutet verdünnt. Verantwortlich sind Varianten am sogenannten D-Lokus. Sie betreffen das MLPH-Gen und verändern die Verteilung der Pigmente im Haar.


Das normale Allel D ist dominant. Ein Hund mit mindestens einer normalen Variante zeigt deshalb keine Dilute-Färbung. Für die sichtbare Farbverdünnung müssen entsprechende rezessive Dilute-Varianten zusammenkommen. LABOKLIN beschreibt derzeit unter anderem die Varianten d1, d2 und d3.


Vereinfacht gesagt verändert Dilution die vorhandene Grundfarbe. Dunkles Pigment erscheint aufgehellt. Beim Labrador entstehen daraus die als Silver, Charcoal oder Champagne vermarkteten Farbtöne.


Ein Hund kann das rezessive Dilute-Allel allerdings auch tragen, ohne selbst silbern oder charcoal auszusehen. Deshalb sollte man nicht jeden Träger des Dilute-Gens als „Fehlfarbe“ bezeichnen. Entscheidend für die sichtbare Farbverdünnung ist die genetische Kombination.


Der wesentliche gesundheitliche Streitpunkt heißt Color Dilution Alopecia, kurz CDA. Auf Deutsch wird die Erkrankung auch Farbmutantenalopezie genannt.

Dabei verändert sich nicht nur der optische Eindruck des Haars. LABOKLIN beschreibt eine gestörte Pigmentverteilung und fehlerhafte Haarstruktur. Die Haare können leichter brechen. Betroffene Hunde können zunehmend Fell verlieren und zu wiederkehrenden Hautproblemen und bakteriellen Infektionen neigen.


Typische Erscheinungen können sein:


  • dünner werdendes oder schütteres Fell,

  • Haarbruch und Haarausfall,

  • kahle Hautbereiche,

  • Hautentzündungen,

  • wiederkehrende bakterielle Infektionen und

  • teilweise erhebliche Hautprobleme.


Die Erkrankung kann bereits bei jungen Hunden sichtbar werden, sich aber auch später entwickeln. LABOKLIN beschreibt zudem einen fortschreitenden Verlauf.


Ist CDA heilbar?

Nach heutigem Kenntnisstand nicht. Der Labrador Club Deutschland beschreibt die Erkrankung als nicht heilbar; therapeutisch können lediglich die Beschwerden gelindert werden.


Damit unterscheidet sich CDA grundlegend von einem rein kosmetischen Problem. Ein betroffenes Tier kann über lange Zeit oder lebenslang medizinische Behandlung benötigen.


Bekommt jeder Silber-Labrador CDA?


Nein.

Dieser Punkt ist entscheidend, weil Dilute-Färbung und CDA häufig miteinander gleichgesetzt werden.


LABOKLIN stellt ausdrücklich klar, dass nicht jeder Hund mit Dilution eine CDA entwickelt. Das Erkrankungsrisiko scheint sich außerdem zwischen Rassen und Zuchtlinien zu unterscheiden.


Deshalb gilt:

Dilute ist nicht dasselbe wie CDA.

Ein genetischer D-Lokus-Test kann feststellen, welche untersuchten Varianten der Farbverdünnung ein Hund trägt. Er kann aber nicht zuverlässig vorhersagen, ob ein Dilute-Hund später an CDA erkranken wird. Einen Gentest, der zwischen „Dilute ohne CDA“ und „Dilute mit CDA“ unterscheidet, gibt es derzeit nicht.


Das ist für die Zucht von besonderer Bedeutung. Man kann das Dilute-Gen testen – aber nicht einfach mit einem negativen „CDA-Test“ ausschließen, dass ein entsprechend gefärbter Hund später erkrankt.


Wie wird CDA festgestellt?


CDA ist keine Diagnose, die allein aufgrund der Fellfarbe oder eines d/d-Befundes gestellt werden kann.

Nach LABOKLIN stützt sich die Diagnose auf das klinische Erscheinungsbild und weitere Untersuchungen. Dazu können Haaruntersuchungen und insbesondere eine histopathologische Untersuchung einer Hautbiopsie gehören.


Das ist auch für die öffentliche Diskussion über Silber-Labradore wichtig:

Ein Dilute-Gentest weist eine genetische Farbverdünnung nach. Er diagnostiziert keine CDA.

Diese Unterscheidung spielt auch im Verfahren um die Labradorzucht Vom Lindenhof eine wichtige Rolle. Dort ging es nicht lediglich um einen „Farbtest“, sondern um Haut- und Fellveränderungen bei mehreren Hunden, veterinärmedizinische Befunde und die Frage, welche Verpaarungen angesichts des möglichen erblichen Risikos tierschutzrechtlich vertretbar sind.



Warum wird trotzdem mit Silber-Labradoren gezüchtet?


Die Farben sind auffällig und werden gezielt nachgefragt. Damit entsteht ein eigener Markt außerhalb der klassischen, am FCI-Standard orientierten Labradorzucht.

LABOKLIN weist darauf hin, dass solche besonderen Fellfarben bei Welpenkäufern beliebt sind, obwohl Käufer die möglichen gesundheitlichen Zusammenhänge häufig nicht kennen.


Das führt zu einer grundsätzlichen züchterischen Frage:

Soll ein äußerliches Merkmal gezielt erzeugt werden, wenn mit genau dieser genetischen Konstellation ein gesundheitliches Risiko verbunden sein kann?


Der Labrador Club Deutschland beantwortet diese Frage für seine Zucht deutlich. Er spricht sich aus gesundheitlichen Gründen gegen eine Verbreitung des rezessiven d-Gens in der Labradorpopulation aus. Labrador Club Deutschland e.V.


Wann wird daraus ein Tierschutzproblem?


Nicht jede vom Rassestandard abweichende Fellfarbe ist deshalb automatisch Qualzucht.

Das deutsche Tierschutzrecht setzt an einem anderen Punkt an. § 11b Tierschutzgesetz verbietet Zucht insbesondere dann, wenn züchterische Erkenntnisse erwarten lassen, dass bei der Nachzucht erblich bedingt körperliche Veränderungen auftreten und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen.


Die entscheidende Frage lautet also nicht:

Ist Silber eine erlaubte Labradorfarbe?


Sondern:

Welche gesundheitlichen Folgen sind bei der gewählten Verpaarung für die Nachkommen zu erwarten?

Genau diese Unterscheidung ist wichtig. Ein Zuchtstandard und das Tierschutzrecht verfolgen unterschiedliche Zwecke. Die FCI entscheidet darüber, was dem Rassestandard entspricht. Das Tierschutzgesetz setzt Grenzen dort, wo die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere betroffen sind.


Worauf sollten Käufer eines Silber-Labradors achten?


Wer sich für einen Silber-, Charcoal- oder Champagne-Labrador interessiert, sollte sich nicht mit Aussagen wie „Eltern genetisch getestet“ oder „CDA-frei getestet“ zufriedengeben.

Entscheidend ist, was tatsächlich getestet wurde.

Ein D-Lokus-Test untersucht die Farbgenetik. Er beweist nicht, dass ein Hund keine CDA entwickeln kann. Käufer sollten deshalb nach konkreten Untersuchungsergebnissen, Erkrankungen in verwandten Linien und der gesundheitlichen Entwicklung früherer Nachkommen fragen.

Gerade bei einer erblichen Erkrankung reicht die Gesundheit der Elterntiere allein nicht aus, um sichere Aussagen über sämtliche Nachkommen zu treffen.


Farbe ist nicht das eigentliche Problem


Silber ist zunächst eine Farbe. Dilution ist eine genetische Farbverdünnung. CDA ist eine Erkrankung.

Diese drei Dinge sollte man nicht miteinander verwechseln.

Problematisch wird Zucht dort, wo ein besonderes Erscheinungsbild wichtiger wird als die gesundheitlichen Folgen, die mit seiner gezielten Erzeugung verbunden sein können.

Wer einen Labrador auswählt, sollte deshalb nicht zuerst fragen, wie ungewöhnlich seine Farbe ist.

Sondern wie gesund seine Zuchtlinie ist.


FAQ


Sind Silber-Labradore echte Labradore?Ein silberfarbener Hund kann als Labrador gezüchtet und geführt werden. Die Farbe Silber gehört jedoch nicht zu den vom FCI-Standard vorgesehenen Labradorfarben. Dieser nennt Schwarz, Gelb und Leber-/Schokoladenbraun. Labrador Club Deutschland e.V.

Ist jeder Silber-Labrador krank?Nein. Nicht jeder Hund mit Dilute-Färbung entwickelt CDA. LABOKLIN Bad Kissingen

Kann man einen Silber-Labrador auf CDA testen lassen?Einen Gentest, der zuverlässig vorhersagt, ob ein Dilute-Hund CDA entwickeln wird, gibt es derzeit nicht. Tests am D-Lokus weisen Farbverdünnungsvarianten nach, nicht die Erkrankung selbst. LABOKLIN Bad Kissingen

Ist CDA heilbar?Nein. Nach aktuellem Kenntnisstand kann die Erkrankung nicht geheilt werden. Die Behandlung richtet sich gegen die Symptome und Folgeprobleme. Labrador Club Deutschland e.V.

Ist die Zucht von Silber-Labradoren verboten?Nicht allein wegen der Farbe. Tierschutzrechtlich entscheidend ist, ob bei einer Zucht nach den vorhandenen Erkenntnissen erblich bedingte Schmerzen, Leiden oder Schäden bei den Nachkommen zu erwarten sind. Maßgeblich ist § 11b TierSchG. Gesetze im Internet

Kommentare


bottom of page